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Sea World

Sea World

Kamp Šimuni, Insel Pag, KroatienThemenspielplatz für KinderKamp Šimuni

Ein Meeresungeheuer, ein Leuchtturm und ein U-Boot. Und die Frage, wie Kinder sich wirklich durch den Raum bewegen.

Ausgangspunkt

Das Projekt begann nicht mit einer Form. Es begann mit einer Frage.

Nicht wie man einen Spielplatz gestaltet, sondern wie sich Kinder tatsächlich bewegen: wie sie die Welt erkunden, wie sie ohne Worte kommunizieren, wie sie von einer Ebene zur nächsten wechseln, von einem Gefühlszustand zum anderen, von Vorsicht zu Mut.

Sea World ist die räumliche Antwort auf diese Fragen. Errichtet an der Küste von Pag, in einem Pinienwald, der auf einen der eindrucksvollsten und klarsten Abschnitte der Adria trifft, stellt es die Erfahrung des Kindes in den Mittelpunkt, nicht das äußere Erscheinungsbild der Struktur.

Concept sketch of the shark-themed play structure for Sea World, drawn to a 1:200 scale.
Konzeptskizze, Spielkomplex im Hai-Design, Maßstab 1:200
Gestalterische Herausforderung

Eine Welt erschaffen, keinen Spielplatz.

Die Aufgabenstellung verlangte mehr als Geräte, die auf einer Fläche angeordnet sind. Sie verlangte einen Ort mit eigener innerer Logik, an dem die Geschichte nicht erklärt, sondern entdeckt wird. An dem jedes Kind seinen eigenen Weg hinein und seinen eigenen Weg hindurch findet. An dem das nur wenige Meter entfernte Meer keine Kulisse ist, sondern eine aktive Präsenz, die jede gestalterische Entscheidung prägt.

Aerial view of the Sea World playground showing the lighthouse tower and the timber shark structure among pine trees.
Luftaufnahme – das gesamte Gelände mit Leuchtturm und Meeresungeheuer
The Sea World lighthouse structure with its spiral stainless steel slide and open dome platform at the top.
Der Hai, vertikales Wahrzeichen und räumlicher Ankerpunkt
Die Erzählung

Ein Meeresungeheuer. Ein Leuchtturm. Ein U-Boot.

Die räumliche Erzählung von Sea World basiert auf drei Charakteren, jeder mit einer eigenen räumlichen Rolle.

Das große Meeresungeheuer, ein Hai, ist das Herzstück des Projekts. Es steht nicht still: Sein Körper folgt dem Gelände, schlängelt sich zwischen den Pinien hindurch, taucht auf und ab. Seine Schwanzflosse durchschneidet den Himmel, sein geöffneter Rachen ist eine Einladung.

Der Leuchtturm ist der vertikale Gegenpol. Hoch, geometrisch und geordnet, wo der Hai organisch und wild ist. Er balanciert die Komposition aus und bildet den wichtigsten Orientierungspunkt des Geländes, sichtbar vom Eingang, vom Strand, von der Straße oberhalb. Er hat einen Weg nach oben. Einen Weg nach unten. Und einen Ausblick auf dem Gipfel, der die Anstrengung belohnt.

Das U-Boot ist das ruhigste Element. Am nächsten zum Meer gelegen, bietet es Raum für eine andere Art des Spiels: langsamer, geselliger, nachdenklicher. Nach der Intensität des Ungeheuers und der Höhe des Leuchtturms schenkt das U-Boot Stille.

Drei Charaktere. Drei räumliche Register. Eine Welt.

Concept sketch of the lighthouse-themed play structure for Sea World, drawn to a 1:200 scale.
Konzeptskizze, Spielkomplex im Leuchtturm-Design, Maßstab 1:200
Bewegung als Gestaltungsprinzip

Wie sich ein Kind bewegt, ist wie ein Kind lernt.

Von der ersten Skizze an stand die Choreografie der Bewegung im Vordergrund. Nicht das Erscheinungsbild der Strukturen, sondern die Abfolge der körperlichen Erfahrungen, die sie hervorrufen.

Der Hai bietet fünf unterschiedliche Wege durch und über seinen Körper. Das Kind, das durch den Rachen eintritt, erlebt etwas anderes als das Kind, das die Rückenflosse erklimmt, sich durch die Kiemenöffnung zwängt oder vom Rücken hinabsteigt. Jede Route verlangt einen anderen körperlichen Einsatz: andere Muskelgruppen, andere Anforderungen an das Gleichgewicht, andere Einschätzungen des Risikos.

Die Innenräume des Haikörpers sind bewusst abwechslungsreich gestaltet. Hohe, offene Kammern wechseln sich mit niedrigen, engen Passagen ab, die das Kind zum Ducken, seitlichen Wenden und Verlangsamen zwingen. Der Wechsel zwischen Weite und Enge ist nicht ästhetisch, sondern entwicklungsfördernd. Propriozeption, Raumwahrnehmung und Körperbewusstsein werden durch diese Übergänge aktiviert.

Der Leuchtturm verlangt eine einzige, entschlossene Entscheidung: zu klettern. Es gibt keinen anderen Weg nach oben. Diese Einfachheit ist beabsichtigt. Der Weg ist klar. Die Belohnung wird verdient. Der Blick von der offenen Stahlkuppel auf dem Gipfel zeigt die Adria auf eine Weise, die kein Foto einfangen kann, weil das Kind dort aus eigener Kraft angekommen ist.

5Unterschiedliche Bewegungsrouten durch die Haistruktur
3Räumliche Charaktere: Ungeheuer, Leuchtturm, U-Boot
2Hauptmaterialien: Holz und Stahl
1Einzigartiger Standort: Pinienwald, Adria, Horizont von Pag
Interior detail of curved structural beams and a connecting walkway inside the play structure at Sea World.
Im Inneren der Welt: Kammern und Gänge im Inneren der Spielstruktur
Gestaltete Erlebnisse

Gestaltete Erlebnisse

The timber shark structure at Sea World, seen from the side among pine trees.

Der Hai, zentrale skulpturale Struktur

Eine großformatige Holzform, die wie ein Wesen in Bewegung wirkt. Mehrere Eingänge und Innenebenen ermöglichen es Kindern unterschiedlichen Alters und Temperaments, gleichzeitig aktiv zu sein, jedes auf seiner eigenen Route, in seinem eigenen Tempo, mit seiner eigenen Version des Erlebnisses.

The Sea World lighthouse tower with its spiral stainless steel slide.

Der Leuchtturm, vertikaler Ankerpunkt

Eine hohe, vertikal entwickelte Struktur mit einer rhythmischen Holzlattenhülle, einer spiralförmigen Edelstahlrutsche an der Außenseite und einer offenen Kuppelplattform auf dem Gipfel. Der Blick von oben ist die Belohnung, die auf keinem anderen Weg zu erreichen ist.

Detail of curved structural beams and a connecting walkway inside the play structure at Sea World.

Innenräume, Enge und Weite

Das Innere des Hais wechselt zwischen hohen, offenen Kammern und niedrigen, engen Passagen. Diese bewusste Abwechslung aktiviert Propriozeption, Raumwahrnehmung und Körperbewusstsein.

A child sliding down the boat structure at Sea World, with a climbing feature visible nearby.

Kletterflächen, vielfältige Herausforderungen

Klettergriffe an der Schwanzflosse, geneigte Flächen entlang des Körpers und Seilelemente im gesamten Gelände bieten unterschiedliche Grade körperlicher Herausforderung. Kein Kind wird zum „richtigen“ Weg nach oben angeleitet, jedes findet seinen eigenen.

Was dieser Raum aufbaut

Spiel, das etwas hinterlässt

Physical development icon.

Körperliche Entwicklung

Die Vielfalt an Kletterflächen, Durchgangshöhen und Bewegungsherausforderungen im gesamten Gelände fördert Grob- und Feinmotorik, Gleichgewicht, Koordination und Rumpfkraft.

Social and communicative development icon, two speech bubbles.

Soziale und kommunikative Entwicklung

Die Strukturen sind für Gruppen konzipiert, nicht für Einzelne. Passagen, die breit genug für zwei sind, Plattformen, die zum Warten und Verhandeln einladen, sowie die Kettengeländer schaffen gemeinsam die Voraussetzungen für spontane soziale Interaktion.

Emotional development icon, a brain outline.

Emotionale Entwicklung und Risikoeinschätzung

Jeder Kletterzug, jeder Eintritt in ein dunkles Inneres, jede Entscheidung für die höhere Route: Das sind Momente echter Selbsteinschätzung. Der Raum bietet echte Herausforderung ohne künstlich erzeugte Gefahr.

Connection to nature icon, a pine tree outline.

Verbindung zu Ort und Natur

Die Adria ist von fast jedem Punkt dieses Spielplatzes aus sichtbar. Der Pinienwald wurde nicht gerodet, sondern einbezogen. Das Kind spielt in ihm, wir haben in ihm gebaut.

Children crossing the chain bridge at Sea World, with the sea behind them.
Kinder auf der Kettenbrücke, Gleichgewicht, Konzentration, das Meer im Hintergrund
Der Standort

Ein Spielplatz, der nur hier existieren kann.

Kamp Šimuni auf der Insel Pag hat eine der markantesten Landschaften der Adria: niedriger Pinienwald, der in weißen Sand übergeht, der windgeformte Fels des Velebit sichtbar auf der anderen Seite des Wassers, eine Lichtqualität, die es sonst nirgends an der kroatischen Küste gibt.

Dieses Projekt ignoriert diesen Kontext nicht. Es ist in ihn hineingebaut. Die Pinien, zwischen denen sich der Hai bewegt, sind keine Hindernisse, sondern Mitgestalter, die dem Ungeheuer sein Gefühl von Bewegung und Maßstab verleihen. Der blaue Gummiboden, der das „Meer“ markiert, in dem der Hai schwimmt, verbindet den Spielplatz visuell mit dem echten Meer nur wenige Meter entfernt. Jedes Mal, wenn ein Kind vom Spiel aufblickt, sieht es die Adria.

Das ist kein Zufall. Es ist eine Entscheidung, die ganz am Anfang des Projekts getroffen wurde, und der Grund, warum dieser Spielplatz nicht einfach woanders hin verlegt werden könnte.

Dies ist kein Thema, das auf einen Spielplatz gesetzt wurde. Dies ist ein Spielplatz, der aus einem Thema heraus gebaut wurde, von innen nach außen. Das Meer, das Ungeheuer, das Licht, die Pinien: All das ist die Gestaltung.

Fazit

Kein Besuch. Eine Begegnung.

Kinder, die zu Sea World kommen, spielen nicht auf Geräten. Sie betreten eine Welt mit eigenen Regeln, eigener Logik, eigenem Gefühl für Maßstab. Ihnen wird nicht gesagt, was zu tun ist, sondern sie erhalten einen Raum, der in ihnen den Wunsch weckt, es selbst herauszufinden.

Sie klettern in den Bauch eines Meeresungeheuers. Sie verdienen sich den Ausblick von der Spitze eines Leuchtturms. Sie sitzen in einem U-Boot und beobachten das Meer. Und irgendwo mittendrin, ohne es zu merken, werden sie mutiger, koordinierter, sozial gewandter und stärker verbunden mit der Landschaft, in der sie sich befinden.

Das ist der einzige Erfolgsmaßstab, der zählt.

The full Sea World playground site at Kamp Šimuni at golden hour.
Das gesamte Gelände zur goldenen Stunde
Detail of the shark's tail fin and climbing holds at Sea World.
Detail, Kletterflächen
Front view of the shark structure at Sea World, showing the jaw entrance and porthole window.
Der Eingang des Hais, von hinten gesehen
The timber shark structure at Sea World, seen among the surrounding pine trees.
Der Hai zwischen den Pinien
A child looking out from inside the shark structure at Sea World, with the slide and climbing wall visible.
Im Inneren des Hais
Detail of the joinery and curved forms inside the shark structure at Sea World.
Handwerkliches Detail, die Haistruktur
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